In diesem Jahr feiert das Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V. sein 30-jähriges Jubiläum.

Vor 15 Jahren wurde bei BIM e.V. der Arbeitsbereich „Ambulante Hilfen zur Erziehung im interkulturellen Kontext“ ins Leben gerufen – mit dem Ziel, Familien mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen in belastenden Lebenssituationen gezielt zu begleiten und zu stärken.

nullWas damals mit wenigen Mitarbeitenden und einer klaren sozialräumlichen Idee begann, ist heute ein stark aufgestellter Fachbereich mit einem breit gefächerten Angebot an Unterstützungsleistungen.

Im Auftrag der Jugendämter Bonn und der umliegenden Region begleiten wir schwerpunktmäßig Familien mit Migrations- oder Fluchterfahrung sowie unbegleitete minderjährige Geflüchtete.

Unser Ziel ist es, Kinder, Jugendliche und ihre Familien in der Bewältigung des Alltags, in Krisensituationen sowie im Kontakt mit Behörden und Institutionen zu unterstützen. Im Mittelpunkt stehen: die Stärkung des Selbstwertgefühls, die Förderung elterlicher Handlungskompetenz und die Unterstützung größtmöglicher Selbstständigkeit.

Wer wir waren – und wer wir heute sind

Zu Beginn bestand unser Team aus zwei Mitarbeiterinnen. Heute umfasst es 14 Fachkräfte sowie über zehn interkulturell qualifizierte Ergänzungskräfte – darunter Sprachmittlerinnen und Sprachmittler.

Unser multiprofessionelles, mehrsprachiges Team arbeitet interdisziplinär und systemisch – stets mit einem klaren interkulturellen Fokus. Die kulturellen Hintergründe unserer Klient*innen fließen aktiv in die pädagogische Arbeit ein. Sprachliche und soziokulturelle Barrieren werden gezielt durch den Einsatz unserer Ergänzungskräfte abgebaut. Sie begleiten die Fachkräfte im Alltag – nicht nur sprachlich, sondern auch als kulturelle Brückenbauer.

Die gestiegene Fallzahl, die zunehmende Diversität der Zielgruppen sowie die erweiterten fachlichen Anforderungen im Rahmen der Zusammenarbeit mit den Jugendämtern spiegeln den strukturellen und qualitativen Ausbau des Bereichs deutlich wider.

Fachliche und strukturelle Weiterentwicklung

Unter der pädagogischen Leitung von Frau Cetin wird der Arbeitsbereich seit 2018 kontinuierlich fachlich, konzeptionell und organisatorisch weiterentwickelt. Besonderen Wert legt sie auf regelmäßige Fortbildungen, Supervisionen sowie auf gezielte Maßnahmen zur Personalentwicklung – mit dem Ziel einer nachhaltigen Qualitätssteigerung.

Zu den zentralen Meilensteinen zählen:

  • die Verdreifachung der Fallzahlen durch den strategischen Ausbau des Angebots,
  • der Aufbau eines interdisziplinären Teams mit aktuell 14 sozialpädagogischen Fachkräften und über zehn interkulturell qualifizierten Ergänzungskräften,
  • die Einführung eines strukturierten Berichtswesens zur Qualitätssicherung und zur Optimierung der Zusammenarbeit mit den Jugendämtern,
  • die Entwicklung interner Formate für Fortbildung, Coaching und fachliche Reflexion,
  • sowie der gezielte Ausbau des Sprachmittlerpools, um auch Familien mit geringen Deutschkenntnissen passgenau zu unterstützen.

Seit der Etablierung des Arbeitsbereichs gab es vereinzelt auch fallbezogene Einsätze in angrenzenden Kommunen. Der Schwerpunkt lag jedoch lange Zeit auf dem Stadtgebiet Bonn. Seit 2018 wurde die regionale Reichweite des Angebots unter der Leitung von Frau Cetin sukzessive erweitert. Damit ist der Arbeitsbereich zunehmend auch über die Stadtgrenzen Bonns hinaus aktiv. Neben der fortlaufenden Zusammenarbeit mit dem Jugendamt Bonn bestehen inzwischen auch Kooperationen mit weiteren Jugendämtern der Region, unter anderem in Bad Neuenahr-Ahrweiler, Eitorf, Wesseling, Troisdorf, Hennef, Bad Honnef, Königswinter, Siegburg und Bornheim. Damit leistet der Arbeitsbereich einen Beitrag zur interkulturellen Familienhilfe über die Stadtgrenzen Bonns hinaus.

Diese Entwicklungen trugen nicht nur zu einer signifikanten Umsatzsteigerung bei, sondern stärkten zugleich die fachliche Professionalität und Anschlussfähigkeit des Angebots an die aktuellen Standards und Anforderungen der Kinder- und Jugendhilfe.

Zusammenarbeit mit Hochschulen und Nachwuchsförderung

BIM e.V. ist als freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe seit vielen Jahren Praxispartner mehrerer Hochschulen im Rahmen der praktischen Studienphasen im Studiengang Soziale Arbeit. In Kooperation mit diversen Hochschulen ermöglichen wir angehenden Fachkräften ein qualifiziertes Praxissemester im Bereich der ambulanten Erziehungshilfen, das unter der fachlichen Anleitung unserer pädagogischen Leitung durchgeführt wird. Dabei begleiten wir die Studierenden, um Theorie und Praxis zu verbinden und den beruflichen Nachwuchs zu fördern.

2024 nahm BIM e.V. erneut z.B. an der Praxisbörse der Katholischen Hochschule Köln sowie an der Theorie-Praxis-Woche teil. Studierende erhielten dabei praxisnahe Einblicke in die ambulante Arbeit, diskutierten Herausforderungen im Kontext von Flucht und Migration und erlebten Theorie und Praxis in direkter Verzahnung. Durch Veranstaltungen wie die Praxisbörse oder die Theorie-Praxiswoche fördern wir zudem den direkten Austausch zwischen Fachpraxis, Lehre und wissenschaftlicher Reflexion. Diese Nachwuchsförderung ist ein essenzieller Beitrag zur Qualifizierung zukünftiger Fachkräfte in einem zunehmend interkulturell geprägten Arbeitsfeld.

Ein Blick in die Praxis: Zahlen und Entwicklungen

Im Jahr 2025 werden derzeit über 80 Familien durch das Team betreut – ein Zuwachs von mehr als 20 Fällen im Vergleich zum Vorjahr. Die stetig steigende Nachfrage seitens der Jugendämter zeigt deutlich, dass die interkulturell ausgerichtete ambulante Hilfe heute gefragter denn je ist.

Perspektiven und Ausblick

Auch im Jahr 2025 stehen Qualitätssicherung, Personalentwicklung und Angebotsausbau weiterhin im Fokus. Die kontinuierliche Qualifizierung des Teams durch Fortbildungen zur migrationssensiblen Arbeit sowie regelmäßige Supervisionen gehören ebenso dazu wie die konzeptionelle Weiterentwicklung der Angebote. Neue Bedarfe – insbesondere in Krisenzeiten – erfordern passgenaue, niedrigschwellige und kultursensible Lösungen.

Gesellschaftlicher Wandel und neue Bedarfe

In den vergangenen 15 Jahren haben sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen spürbar verändert: Fluchtbewegungen, Migration, Armut, psychosoziale Belastungen, Digitalisierung und veränderte Familienkonstellationen prägen heute die Lebensrealität vieler Familien – und damit auch unsere sozialpädagogische Arbeit. Der interkulturelle Ansatz, mit dem wir einst gestartet sind, ist aktueller denn je und bildet das fachliche Fundament unserer Arbeit in Bonn und der Region.

Unsere Leistungsbereiche
Heute umfasst der Fachbereich ein breites Spektrum an Angeboten:

  • Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH)
  • Ambulantes Clearing
  • Erziehungsbeistandschaft (EB)
  • Umgangsbegleitung (fallgebundener und begleiteter Umgang)
  • Hilfen für junge Volljährige
  • Betreuungsweisungen

 

Wo wir heute stehen

Unsere Angebote sind heute bedarfsorientierter, differenzierter und niedrigschwelliger denn je. Die Hilfen sind komplexer geworden: Immer häufiger begleiten wir Familien mit Mehrfachbelastungen, psychischen Erkrankungen, schwierigen Aufenthaltsverhältnissen oder generationsübergreifenden Problemlagen. Gleichzeitig hat sich die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und anderen Akteuren weiterentwickelt – sie erfolgt auf Augenhöhe, ist transparent und lösungsorientiert.

Unsere Vision bleibt lebendig

Was unsere Arbeit seit der Gründung kennzeichnet, ist die Verbindung von fachlicher Professionalität, kultureller Sensibilität und menschlicher Nähe. Die ursprüngliche Idee – Familien in ihrer Lebenswelt zu stärken – ist geblieben und hat sich zugleich mit den Veränderungen in Gesellschaft, Gesetzgebung und Lebenswirklichkeit stetig weiterentwickelt.

Das 15-jährige Bestehen des Arbeitsbereichs ist nicht nur ein Meilenstein, sondern auch Ausdruck kontinuierlicher Aufbauarbeit, fachlicher Reflexion und kollegialer Zusammenarbeit – getragen von einem engagierten Team und einer pädagogischen Leitung, die die Weiterentwicklung stets vorangetrieben hat.

Im Rahmen des 30-jährigen Institutsjubiläums von BIM e.V. im September 2025 wird diese Entwicklung deutlich sichtbar – und darf als Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit, Integration und Teilhabe verstanden werden.

Auch wenn in diesem Jahr keine gesonderte Jubiläumsfeier zum 15-jährigen Bestehen geplant ist – im Zeichen des 30-jährigen Jubiläums von BIM e.V. – möchten wir diesen Moment dennoch nutzen, um innezuhalten, zurückzublicken und Dank auszusprechen: an die Familien für ihr Vertrauen, an die Kolleg*innen für ihr Engagement und an die Jugendämter und die weiteren Kooperationspartner*innen für die konstruktive Zusammenarbeit.

Wir freuen uns darauf, diesen Weg weiterzugehen – mit fachlicher Tiefe, Offenheit für Neues und einem klaren Blick auf die Lebenswirklichkeit der Familien, die wir begleiten.