Franziskaner Helfen, Stiftung Asienhaus, Permatil, das Institut für Ethnologie der Universität Münster und das Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V. organisieren zusammen einen Vortrags- und Diskussionsabend über postkoloniale Bildung, dekoloniale Emanzipation und Zukunftsentwürfe. Es wird diskutiert, wie Permakulturpraxis und Befreiungspädagogik dazu beitragen, moderne Vorstellungen von Fortschritt und Entwicklung zu hinterfragen und neue Wege hin zu resilienten Lebensgrundlagen, nachhaltigen Ökosystemen und selbstbestimmtem Denken zu eröffnen.
Im Rahmen der Veranstaltung wird auch das Projekt „Strategien zur Anpassung an den Klimawandel, einschließlich Wasserversorgung und Permakultur“ vorgestellt, welches Franziskaner Helfen gemeinsam mit Permatil und Bruder Augusto (OFM Conventual) in Oecusse durchführen.
Die Veranstaltung ist kostenfrei, findet auf Englisch statt und richtet sich an alle Interessierten, insbesondere an Personen mit Interesse an Permakultur, Anthropologie sowie an einem vertieften Einblick in Timor-Leste.
VORTRAG:
Planting Water in Gardens of Hope: Permaculture, Decolonial Emancipation, and Aspirational Futures in Timor-Leste
Eugenio Lemos & Thomas Stodulka
📅 19.Juni 2026 (Freitag), 20 Uhr
📍 MIGRApolis Haus der Vielfalt (Brüdergasse 16–18, Bonn)
In Timor-Leste lernen Kinder heute im Rahmen eines neu überarbeiteten nationalen Lehrplans, Gemüse anzubauen, Wasser zu sparen und Permakultur-Gärten zu gestalten. In diesem Vortrag wird nachgezeichnet, wie sich die timoresische Permakultur von einer marginalen Graswurzelbewegung hin zu einem zentralen Bestandteil öffentlicher Bildung entwickelt hat.
Auf Grundlage langjähriger gemeinsamer Feldforschung mit Aktivistinnen und Aktivisten, Studierenden und Lehrkräften wird gezeigt, wie Schulgärten sowie Kunst- und Kulturunterricht, die auf Permakultur und Befreiungspädagogik basieren, ökologisches Wissen und kritisches Denken in die Klassenzimmer Timor-Lestes bringen.
Der neue Lehrplan im Bereich Kunst und Kultur lädt Kinder und Jugendliche dazu ein, sich Zukunftsperspektiven vorzustellen, die in den Landschaften und lokalen Geschichten Timor-Lestes verwurzelt sind. Im Unterschied zu früheren, staatlich oder durch Geberorganisationen geprägten Bildungsmodellen zielt die Permakultur-Bildung darauf ab, „Gärten der Hoffnung“ zu schaffen – basierend auf gesunden Böden, wiederbelebten Wasserquellen, traditionellen Saatgütern und einem historischen Bewusstsein, das in indigenen Praktiken verankert ist.

Eugenio “Ego” Lemos ist Gründer und Direktor der NGO Permatil (Permakultura Timor Lorosa’e) sowie Mitbegründer von Permatil Global. Für seine international anerkannten Beiträge zu Ernährungssouveränität, nachhaltiger Landwirtschaft und Bildung wurde er 2023 mit dem Ramon Magsaysay Award und 2026 mit dem Order of Agricultural Merit ausgezeichnet. Als Goodwill- und Kulturbotschafter Timor-Lestes engagiert er sich für soziale Gerechtigkeit, kulturelle Selbstbestimmung sowie nachhaltige Bildungs- und Agrarsysteme. Auch als Musiker vielfach prämiert, machte er mit dem Titelsong zum Film Balibo die Musik Timor-Lestes einem internationalen Publikum zugänglich. Ego Lemos promoviert an der Kyoto University und publiziert international zu Permakultur, Nachhaltigkeit und Bildung. Er ist zudem Autor eines einzigartigen nationalen Schulcurriculums, das Permakultur, Unterricht und Schulgärten systematisch verbindet. Auf Einladung der University of Münster kommt er nach Deutschland.
Thomas Stodulka ist Professor für Sozial- und Kulturanthropologie, Psychologische Anthropologie und Visuelle Anthropologie an der Universität Münster. Seine Forschung bewegt sich an den Schnittstellen von emanzipatorischer Bildung, Affekt- und Emotionsforschung, sozialer Ungleichheit, psychischer Gesundheit sowie ökologischer Nachhaltigkeit und Permakultur. Er hat über sechs Jahre ethnografische Feldforschung in Indonesien und Timor-Leste durchgeführt, unter anderem in enger Zusammenarbeit mit Ego Lemos, und zahlreiche internationale Forschungsprojekte zu Themen wie Zugehörigkeit, Stigmatisierung, psychische Krankheit und Gesundheit, Coming of Age, interdisziplinäre Methoden und dekoloniales Lernen geleitet. Thomas Stodulka ist Autor von über hundert wissenschaftlichen Publikationen, Mitbegründer des ersten unabhängigen Kinos KINOKI in Indonesien, Initiator des ersten Shelters für undokumentierte und chronisch erkrankte Jugendliche in Indonesien, sowie Mitglied des internationalen Solidaritätsnetzwerks Permatil Global.
Referenten:
Eugenio „Ego“ Lemos (Permatil)
Thomas Stodulka (Institut für Ethnologie, Universität Münster)
Ansprechpartnerin Franziskaner Helfen: Karoline Fendel, fendel@franziskaner-helfen.de
Ansprechpartner ARTpolis c/0 BIM e.V.: Dr. Philip Gondecki-Safari, gondecki@bimev.de
Kooperationspartner:
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