Am 3. Oktober 2013 starben 368 Menschen vor der Küste von Lampedusa. Seitdem arbeitet die italienische Organisation Comitato 3 Ottobre mit europäischen Schulen zusammen, um ein anderes Verständnis von Migration zu fördern, Erinnerung zu schaffen, Aufnahme- und Inklusionspolitiken zu unterstützen und eine DNA-Datenbank der Opfer aufzubauen.
Das Comitato 3 Ottobre ist eine Organisation, die sich für die Förderung der Erinnerung an die Opfer der Migration, für den Schutz der Menschenrechte und für die Verbreitung einer Kultur der Aufnahme, der Verantwortung und der aktiven Bürgerschaft einsetzt, mit besonderer Aufmerksamkeit auf den schulischen Bereich. Das Comitato ist Initiator des Tages der Erinnerung und der Aufnahme, der in Italien mit dem Gesetz Nr. 45/2016 zum Gedenken an den Schiffbruch vom 3. Oktober 2013 eingeführt wurde.
Ziele des Comitato 3 Ottobre
- Die jüngeren Generationen durch Bildungsaktivitäten in Italien und Europa in die Debatte über das Migrationsphänomen einbeziehen, begleitet von Advocacy-Maßnahmen bei italienischen und europäischen Institutionen;
- Die Einrichtung einer europäischen DNA-Datenbank zur Identifizierung der Opfer sowie die Reform der Dublin-Verordnung fördern;
- Die Integration von Migrantinnen und Migranten in die lokalen Gemeinschaften fördern, als Voraussetzung für den sozialen Zusammenhalt in einer zunehmend interkulturellen Gesellschaft;
- Die Öffnung humanitärer Korridore sowie legaler und sicherer Einreisewege unterstützen, um Menschenrechtsverletzungen und Todesfälle auf See entgegenzuwirken.
Bildungsaktivitäten
Während des Schuljahres bietet das Comitato 3 Ottobre eine Reihe von Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe I und II an, die über unser Schulportal heruntergeladen werden können; außerdem steht das Comitato 3 Ottobre für Begegnungen und Zeitzeugengespräche direkt in den Schulen zur Verfügung.
Seit seiner Gründung hat das Comitato 3 Ottobre über 80.000 Schülerinnen und Schüler aus 27 europäischen Ländern in Bildungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen zu Menschenrechten einbezogen und dabei eine Kultur des Respekts, der Inklusion und der Aufnahme gefördert.
Kein Mensch ist eine Insel – Samen von Lampedusa
Im Rahmen des Wanderprojekts „Samen von Lampedusa“ kooperierte das ARTpolis Community Arts & Music Lab des Bonner Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V. mit der Erzbischöflichen Papst-Johannes XXIII.-Gesamtschule (Pulheim) und dem Aloisiuskolleg (Bonn) in der Organisation und Durchführung des Thementags „Kein Mensch ist eine Insel – Samen von Lampedusa“ als ein schulübergreifendes Projekt und Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie zur Sensibilisierung für Themen wie Respekt, Menschenrechte und Interkulturalität.
Am Mittwoch, den 29. April 2026, fand im Aloisiuskolleg in Bonn Bad Godesberg von 09:00 bis 15:00 Uhr der Thementag „Kein Mensch ist eine Insel – Samen von Lampedusa“ statt. An der Veranstaltung nahmen rund 400 Schüler*innen der Erzbischöflichen Papst-Johannes XXIII.-Gesamtschule in Pulheim, des Montessori Gymnasiums in Köln, des Aloisiuskollegs in Bonn, des Georg Büchner Gymnasiums in Düsseldorf und des Gymnasiums BernburgerStraße in Düsseldorf teil. Die gesamte Veranstaltung wurde zweisprachig auf Deutsch und Italienisch durchgeführt und förderte Begegnung und Austausch zwischen Schülerinnen und Schülern, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, gesellschaftlich engagierten Kulturschaffenden, Aktivistinnen und Aktivisten, Migrantinnen und Migranten.
Nach einer Begrüßungsrede von Mathias Molzberg, Schulleiter des Aloisiuskolleg, und einer Einführung der Organisatoren Tiziana Miceli und Zenyel Öngoren stellten Schüler*innen der Erzbischöflichen Papst-Johannes XXIII.-Gesamtschule das Projekt „Samen von Lampedusa“ vor und teilten dabei ihre Erfahrungen einer Reise nach Lampedusa zum Gedenktag der Opfer des Schiffunglücks vom 3. Oktober 2013. Mit thematischem Bezug zum Titel der Veranstaltung „Kein Mensch ist eine Insel“ rezitierten engagierte Schüler*innen in diesem Zusammenhang Auszüge aus dem Werk des englischen Dichters und Geistlichen John Donne (1572–1631) aus dem Jahr 1624.
Daraufhin folgte ein vielschichtiges Programm zum Themenfeld Flucht, Migration und Integration. Dr. Philip Gondecki-Safari, Mitarbeiter im Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V., stellte die interkulturell vermittelnde und integrativ wirkende Arbeit des BIM sowie das MIGRApolis Haus der Vielfalt als Begegnungsort und soziokulturelles Zentrum vor. Des Weiteren referierte er zur gesellschaftlichen Bedeutung kultureller Vielfalt, den Herausforderungen des Ankommens von „Geflüchteten“ und Strategien des Empowerments.
Ayham Nabuti, Mitarbeiter des BIM, erzählte in drei Teilen von seiner eigenen Migrationsbiografie und Fluchterfahrung aus Syrien sowie seinem Prozess des Ankommens. Damit wurden die Themen Flucht, Migration und Integration für das anwesende Publikum auf einer sehr persönlichen und emotionalen Ebene veranschaulicht, nachvollziehbar und verständlich gemacht.
Als künstlerischen Beitrag des ARTpolis Community Arts & Music Lab des BIM wurden die Reden durch musikalische Beiträge von Ayham Nabuti (Gesang & Gitarre) und Philip Gondecki-Safari (Klarinette & Bouzouki) begleitet. Sie spielten gefühlvolle Lieder aus Syrien, Griechenland und vom Balkan, die einen musikalischen Resonanzboden und besinnliche Momente des Innehaltens zur Verarbeitung und Reflektion zwischen den Redebeiträgen ermöglichten.
Als besonderer Gast aus Italien stellte Tareke Brahne, Gründer und Präsident des Comitato 3 Ottobre, die Arbeit seiner Organisation vor. Nach einer Filmvorführung von „senzaNome“ kam es zu einer angeregten Diskussion mit den Schüler*innen.
Der Dokumentarfilm „senzaNome“ (ohneNamen), geschrieben und inszeniert von Filippo Casini und produziert vom Comitato 3 Ottobre, beleuchtet das Schicksal der nicht identifizierten Leichen von Opfern der Migration nach Europa sowie der Familien, die noch immer nach ihnen suchen. Eine Reise, die an Orte wie Griechenland, Marokko, Italien und Uganda führt – zwischen Laboren, Friedhöfen, Krankenhäusern und Behörden –, wo namenlose Körper von der Tragödie Tausender verlorener Leben erzählen. Die Stimmen der Angehörigen, der Opfern und der Expertinnen und Experten, darunter Cristina Cattaneo, Salvatore Vella und Pavlos Pavlidis, verweben die Geschichten derer, die alles verloren haben, und derer, die Gerechtigkeit suchen. „senzaNome“ ist der erste Dokumentarfilm, der diese schmerzhafte und verborgene Geschichte Europas erzählt.
Zum Abschluss der Veranstaltung kam der italienische Schauspieler, Regisseur und Theateraktivist Alessandro Ienzi auf die Bühne und präsentierte sein Solo-Werk „The Door of Life“, eine sehr emotionale und berührende performative Auseinandersetzung mit leidvollen Schicksalen und traumatisierenden Erlebnissen von Menschen auf der Flucht.
Als weitere Gast wurde Pietro Bartolo erwartet, der von 1992 bis 2019 als verantwortlicher Arzt die Erstuntersuchungen der auf Lampedusa ankommenden Migrantinnen und Migranten leitete und von 2019 bis 2024 Mitglied des Europäischen Parlaments war. Er hat tausende Kinder, Frauen und Männer versorgt, die zwischen Hoffnung und Tragik auf der Insel ankamen. Trotz aller dramatischen Erfahrungen ist er seiner Überzeugung treu geblieben: Anderen zu helfen ist eine Pflicht. Leider war Herr Bartolo jedoch kurzfristig verhindert und konnte nicht an der Veranstaltung teilnehmen.
Die Veranstaltung endete mit einer Reflektionsrunde. Dabei hatten die Schüler*innen und das anwesende Publikum mitunter die Möglichkeit ihr persönliches Feedback über eine Mentimeter-Umfrage in visualisierter Form einer Wortwolke mit allen zu teilen. Für die Mehrheit war es ein intensiver, wertvoller und bereichernder Tag mit vielen, neuen Impulsen, Denkanstößen und Handlungsmotivationen zum komplexen Themenfeld Flucht, Migration und Integration.

Projektleitung:
Tiziana Miceli (Erzbischöfliche Papst-Johannes XXIII.-Gesamtschule)
Zenyel Öngoren (Aloisiuskolleg)
Referenten:
Mathias Molzberg (Schulleiter Aloisiuskolleg)
Dr. Philip Gondecki-Safari (ARTpolis c/o BIM)
Ayham Nabuti (ARTpolis c/o BIM)
Tareke Brahne (Präsident Comitato 3 Ottobre)
Alessandro Ienzi (Schauspieler)
Musik:
Ayham Nabuti (Gesang & Gitarre)
Dr. Philip Gondecki-Safari (Klarinette & Bouzouki)
Kontakt: ARTpolis Community Arts & Music Lab c/o BIM: artpolis@bimev.de
Theaterperformance:
Alessandro Ienzi
Für Informationen zu den Bildungsaktivitäten des Comitato 3 Ottobre: scuole@comitatotreottobre.it
Zur Anforderung des Dokumentarfilms „senzaNome“: comunicazione@comitatotreottobre.it
Projektträger:

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