Rhein Indus Global Forum e.V.: Einfühlung – Storytelling als Bildung zwischen Kulturen

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Die Workshopreihe „Einfühlung – Storytelling als Bildung zwischen Kulturen“ schafft einen Raum, in dem Einfühlung als zentrale Fähigkeit erfahrbar wird, um unterschiedliche Lebenswelten zu verstehen und kulturelle Verbindungen zu gestalten. Aufbauend auf Impulsen aus der europäischen Geistesgeschichte, insbesondere bei Johann Gottfried Herder, wird Einfühlung nicht nur als Empathie im Sinne des Mitfühlens verstanden, sondern als ein umfassender Zugang zu unterschiedlichen kulturellen Perspektiven. Vermittlungsfiguren wie Annemarie Schimmel zeigen theoretisch und praktisch, wie ein solches Verständnis zwischen Kulturen praktisch gelebt werden kann:

‘Einfühlung’, ein Wort, das [Herder] selbst gebildet hatte, faßt sein Wesen wohl am besten zusammen: es war diese Einfühlung, die ihn beseelte […] in die verborgenen Gründe der Seelen der Völker zurückzugehen. Kennzeichnend für diese Haltung […] ist seine schöne Bemerkung: «Aus der Poesie lernen wir Zeiten und Nationen gewiß tiefer kennen als auf dem täuschend trostlosen Wege der politischen und Kriegs-Geschichte.» […] Herders Traum war ja, all die verschiedenen Sprachen, Literaturen, Geschichtserfahrungen als Glieder einer einzigen lebendigen Kultur zu sehen und durch eine solche Sichtweise den Menschen in die Welt organisch einzubinden, ihn Ehrfurcht vor den vielfältigen, vielfarbigen kulturellen Phänomenen zu lehren.” (Schimmel 1994: 7-8.)

Die Workshopreihe ist in drei Sitzungen bzw. einzelne Workshops gegliedert, die am 11., 18. und 25. Oktober 2026 jeweils von 16:00 bis 19:00 Uhr im Cafe (EG) im MIGRApolis Haus der Vielfalt (Brüdergasse 16-18, 53111 Bonn) stattfinden. Die Teilnahme ist kostenlos, jede:r ist herzlich willkommen.

1. Sitzung am Sonntag, den 11.10.2026

Die erste Sitzung führt in die theoretischen Grundlagen von Einfühlung als Form von Bildung ein. Einfühlung wird dabei als Gegenbewegung zu Vorurteilen verstanden und als Voraussetzung dafür, unterschiedliche kulturelle Weltbilder zu erschließen. In Anlehnung an Herder wird herausgearbeitet, wie eng Sprache, Kultur und Perspektive miteinander verbunden sind und dass ein vertieftes Verstehen die Auseinandersetzung mit Gefühlen, Werten und Denkweisen erfordert. Zudem wird eine kosmopolitische Perspektive eingeführt, die unterschiedliche Kulturen als gleichwertige Ausdrucksformen menschlichen Lebens begreift.

2. Sitzung am Sonntag, den 18.10.2026

Die zweite Sitzung widmet sich dem Storytelling als konkreter Praxis der Einfühlung. Märchen, Wiegenlieder und Kindergeschichten aus deutschen sowie urdu- und persischsprachigen Kontexten werden als prägende kulturelle Ausdrucksformen betrachtet, durch die Wahrnehmungen, Werte und Weltbilder vermittelt werden. Diese Erzählformen werden im Sinne der von Johann Wolfgang von Goethe geprägten Idee der Weltliteratur verstanden, in der Geschichten über kulturelle Grenzen hinweg zirkulieren und gemeinsame Räume des Verstehens schaffen. Als erster Impuls wird die Geschichte und Kinderserie Heidi vorgestellt, um zu zeigen, wie ein literarischer Stoff in unterschiedlichen kulturellen Kontexten neu interpretiert werden kann. Die Transformation in eine animierte Serie verdeutlicht, wie Weltliteratur moderne Formen hervorbringen kann, die als Gegenentwürfe zu konsumorientierter Massenkultur wirken und Räume für Reflexion und Naturerfahrung eröffnen. Als zweiter Impuls wird in Haft Peykar (Die sieben Schönheiten) von dem berühmten persischen Dichter Nezāmi vorgestellt, und inwiefern in diesen eine mystisch-kosmologische Perspektive entwickelt wird. Als Dritter Impuls wird es eine kleine Einführung in 1001 Nacht geben und wie sich die Darstellung dieser Sammlung an Geschichten in modernen Medien verändert.

3. Sitzung am Sonntag, den 25.10.2026

Die dritte Sitzung überführt diese Impulse in eine kreative Praxis. Die Teilnehmenden setzen sich künstlerisch mit eigenen, überlieferten oder neu entwickelten Geschichten auseinander und erarbeiten erste Ansätze für zukünftige kulturelle oder künstlerische Projekte. Ziel ist es, Einfühlung nicht nur theoretisch zu reflektieren, sondern als aktive und gestaltbare Praxis erfahrbar zu machen. Außerdem wird es eine offene Bühne für künstlerische Darstellungen geben.

Projektkonzept & Workshopleitung: Sam Müller

Projektleitung: Kishwar Mustafa

Projektträger: 

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